|
Nach amerikanischem Vorbild werden mittlerweile auch in Österreich nationale Meisterschaften ausgetragen, aber in den USA blickt man auf eine mehr als hundertjährige Geschichte des Cheerleadings zurück. Dabei war Cheerleading ursprünglich eine reine Männerangelegenheit.
1898 traten die ersten Cheerleader als "Einheizer" vor das Publikum und forderten die Zuschauer mit ihren Schlachtrufen auf, die eigene Mannschaft anzufeuern.
In den 20er Jahren wurden zunehmend Megaphone benutzt und tänzerische Elemente in die Darbietung eingebaut. Daraufhin fand auch das weibliche Geschlecht Zugang in die Gruppen.
An der Oregon State University entwickelte sich das Flash-Card Cheering, bei dem die Zuschauer mit quadratischen Kartons, die verschiedenfarbige Seiten aufwiesen, ausgerüstet wurden. Auf ein Zeichen eines Cheerleaders wurden die Kartons auf bestimmte Seiten gedreht, so daß regelrechte Farbspiele und Bilder entstanden.
Ende der 20er Jahre kam das erste Trainingsbuch für Cheerleader heraus: "Just Yells!" (Nur Schreie).
In den 30er Jahren erschienen die ersten farbigen Pompons, die sich schnell zum Markenzeichen der Cheerleader entwickelten. Waren sie anfangs noch aus Papier oder Wolle und handgefertigt, so sind sie heute maschinell aus Vinyl oder aus Metallfolie hergestellt.
In den 40er und 50er Jahren begann die Blütezeit des Cheerleadings in den USA. Der ersten Schule für Cheerleader folgte mit der "American Cheerleader Association" der erste Verband. Cheerleading wurde zur Massenbewegung. Ab 1967 traten die amerikanischen Cheerleader zu einer Art Meisterschaft an, wobei die Siegerinnen noch durch eine Umfrage ermittelt wurden. Seit 1978 findet jedoch jährlich eine echte Meisterschaft statt, "National Collegiate Cheerleading Championship" genannt.
Begonnen hat das österreichische Cheerleading 1990 mit der Gründung eines Squads bei den Klosterburg Mercenaries.
1994 ist ein historischer Jahrgang im östereichischen Cheerleading, denn die erste Meisterschaft wurde ausgerichtet.
In Klosterneuburg nahmen sieben Teams am Wettbewerb teil. Das ganze ohne Regelwerk, verlangt wurde ein Pflichtprogramm und ein Showprogramm von jeweils sieben Minuten. Erster Meister wurden die Salzburg Bulls, gefolgt von den Highland Knights, die damals noch Oscar Dinos hießen. Die Sieger qualifizierten sich für die inoffiziellen Europameisterschaften in Sindelfingen bei Stuttgart.
Ebenfalls 1994 wurde Ursula Frömmel zur Cheerleaderbeauftragten des AFBÖ bestellt und ist es bis heute geblieben. Die Funktion der Cheerleaderbeauftragten ist eine bestellte Vorstandsfunktion. Das heißt das Präsidium des AFBÖ bestellt jährlich wiederkehrend eine Beauftragte für Cheerleading. Cheerleading ist eine von mehreren gleichwertigen Abteilungen, wie zum Beispiel Nachwuchs, Nationalteams, 1. Division, Medizin, Marketing und weitere innerhalb des AFBÖ. Sämtliche Abteilungen verfügen über ein eigenes Budget.
Zur zweiten Meisterschaft 1995 in Salzburg lag ein Regelwerk mit dem Umfang von zwei Seiten vor. Die Zeit für die beiden Programme wurde auf fünf Minuten gekürzt. Die Salzburg Bulls konnten vor heimischer Kulisse den Titel vor den Highland Knights verteidigen.
Die Salzburg Bulls erreichten bei der ersten offiziellen Europameisterschaft einen sechsten Platz. In Sindelfingen gab es auch zum ersten Mal ein Regelwerk auf Europa-Ebene, nachdem sich eine Cheerleader-Vertretung, die ECA (European Cheerleader Association) gegründet hatte.
1996 und 1997 ist ein düsteres Kapitel in der österreichischen Geschichte, denn es gab keine Meisterschaften. 1996 wurde Österreich bei der zweiten Europameisterschaft, ebenfalls im Glaspalast von Sindelfingen, durch die Highland Knights vertreten, auch sie schafften einen sechsten Platz. Im nachfolgenden Jahr nahmen die A1 Rangerettes für Österreich an der dritten Europameisterschaft in der Jahn-Sporthalle in Stuttgart-Feuerbach teil. Die Wienerinnen schafften einen vierten Platz.
Das Regelwerk lag zur Meisterschaft in neuer Fassung vor und in der Jury wurden ausgebildete Personen aus Deutschland eingesetzt. Ein Aufbruch, denn auch ein internationaler Verband wurde in diesem Jahr gegründet, die International Cheerleader Federation.
1999 fand die österreichische Meisterschaft letztmalig im Juli statt. Ab dem Jahr 2000 werden die Meisterschaften im März ausgetragen. Dadurch soll eine engere Anbindung an die Europameisterschaften erreicht werden.
Eine Woche zuvor fand die fünfte Europameisterschaft in der Max-Schmeling-Halle in Berlin statt. Nur die Hälfte der angekündigten Squads aus Österreich nahm an den Meisterschaften teil. Es waren die Jugendteams Blue Stars und Red Devils.
In Strebersdorf trafen sich bei der fünften Auflage der österreichischen Meisterschaften beide Gruppen wieder im dortigen Sportzentrum. Die Umgebung war sehr familiär, doch die Teilnehmerzahl reduzierte sich fast auf die Hälfte gegenüber dem Vorjahr, nur noch acht Squads bemühten sich um drei Meistertitel. Die Kategorie "Mixed" fiel mangels Teilnehmer ganz weg. Ein kleiner Rückschritt im österreichischen Cheerleading.
Seit 1996 werden in Österreich Trainingcamps veranstaltet, auch um dem Mangel an Trainern entgegenzuwirken.
In Österreich ist Cheerleading noch keine anerkannte Sportart, das hat Auswirkungen auf die Trainer, denn sie müssen zum Beispiel persönlich für Verletzungen haften.
Eine Meisterschaft pro Jahr bietet nicht viel praktische Erfahrung für die Jurymitglieder in Österreich. So geben die Jurypersonen Gastspiele in Nachbarländern wie in Deutschland, zum Beispiel bei den bayrischen Meisterschaften im Herbst oder wie im März bei der deutschen Meisterschaft in Bremen. Dort waren es die Cheerleader-Beauftragte Ursula Frömmel, ihre Vertreterin Romana Konlechner und Verena Böhm.
Die bisherige Entwicklung beruht entscheidend auf der Unterstützung des AFBÖ-Präsidenten Werner Raabe. Er steht immer mit Rat und Tat parat und ist mit viel Liebe der Sportart Cheerleading verbunden. HuB
|